Monatsarchiv für Mai 2010

Healing event Berlin

21. Mai 2010

Und das Sinken geschieht um des Steigens willen   Buch Sohar

Das healing event in Berlin – eine Einladung an Menschen, die anlässlich des Jahrestages der Kapitulation vor 65 Jahren sich besinnen, erinnern und auf heilsames ausrichten wollen. Wahrheit heilt – vom Trauma zur neuen Kraft der Verantwortung.In der Vorbereitung ist mir deutlich geworden wieviel Arbeit schon geleistet worden ist. Politisch, spirituell, künstlerisch, heilerisch – wieviele Organisationen sich gebildet haben, um dem Wahnsinn die Stirn zu bieten, mit Herz und Hand sich zur Verfügung stellend. Die auftauchende Frage war wie mit den vielen abgebrochenen, zersprengten Leben/swelten umgehen, mit der Anderswelt, den Zwischenwelten, die Brücke schlagen zu Toten, Vergessenen und Erinnerten. Opfer sein und Täter schafft

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Großes Ansinnen und fragwürdige Umsetzung, berührende Augenblicke geteilter Achtsamkeit, vieldeutiger und herausfordernder Perspektivwechsel, erschütternde Tiefe und abdriften in die Schlichtheit eigener Weltversuchung.

Alles ist Heil im Geheimnis und lebt aus der Erinnerung und aus Vergessenheit graut der Tod nelly sachs

Andrew Cohens Beitrag mündete in der Aussage das das jüdische tendentiell festhält an dem Opfersein, daraus Identität bezieht und so selbstverhindernd wirken kann. Seine Reflexionen zu Erinnerungen seiner deutschen  Schüler und deren Familien, mit demVersuch ihre Geschichte zu erinnern, eine Kontinuität zu wahren, wozu gehörte auch die Nazizeit einzubeziehen, klang in seiner Darstellung zynisch. Die Brüchigkeit miteinander verflochtener Geschichten, indem Unvorstellbares passierte , die Banalität des Bösen ( Hannah Arendt) ist nur von der Mitte der Menschlichkeit her zu halten. Zu groß die Versuchung den devil, das teuflische im anderen, dem Deutschen, aufgebahrt zu wissen. Der Freibrief der heldenhaften Amerikaner, der leichtsinnigen und wohlmeinenden Weltverbesserer, denen wir anhand ihrer Vietnamveteranen, die nach Hause kamen und mordeten, nicht mehr sozialsierbar waren, verdanken das es Traumarbeit gibt. Das wir begreifen das eine menschliche Seele, ein Ich, ein Geist fragil ist, zerbrechen kann und in einzelnen Anteilen herumirrt. Was ist mit den Indianern in diesem Land, wieviel passiert um die Massaker zu integrieren und die Würde dieser Ureinwohner wiederherzustellen?  Einmal mehr den Eindruck von Andrew Cohen einen Mephistoles vor sich zu haben. Ringend im Geiste Wilbers als Faust  um die Tiefe und dennoch seltsam menschenfern  in einem Auditorium von fühlenden und handelnden Menschen, die zusammengekommen sind um zu gedenken. Der Golem und der dunkle Aspekt der Stammesseele ( campenhout) fällt mir ein und  Rabbi Löw. Die Frage inwieweit seine Arbeit, vom Geist des Judentums durchdrungen ist. Die

Golem Tod! Niemand aber vermag dich zu heben aus der Zeit hinaus – denn Gebot ist dein Rauschblut und dein eisenümschnürter Leib zerfällt mit allem Kehrricht wieder in den Beginn.

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Vielleicht braucht Gott die Sehnsucht, wo sollte sonst sie auch bleiben. Sie, die mit Küssen und Tränen und Seufzern füllt die geheimnisvollen Räume der Luft – vielleicht ist sie das unsichtbare Erdreich , daraus die glühenden Wurzeln der Sterne treiben- und die Strahlenstimme über die Felder der Trennung, die zum Wiedersehn ruft?  Nelly Sachs

Eindrücklich war Herr Wieland. Ein vom Krieg in sich zurückgeworfene Gestalt, die aus der Dunkelheit leuchtend mit geläuterter Kraft von dem Aufbruch, der Sehnsucht, der Zerbrochenheit und dem Menschenjungen Adolf Hitler erzählte. Plötzlich ist er da der  kleine Junge mit dem schweren Schicksal, geschlagen, vom Vater herbeigepfiffen wie ein Hund, namenlos, Halbjude, ungeschützt von der Mutter, ausgeliefert an die Brutalität einer Autorität ohne Herz und Verstand. Alice Miller und ihre wertvolle Untersuchung zur Biographie Hitlers, eine die nach Verstehen in der Ausweglosigkeit gesucht hat. Aus einer großen Stille gesammelten Hörens nach Innen entstanden Inseln aus Wortgebinden, die mich unmittelbar in die Zeitlosigkeit gelebter Erinnerung versetzten. Seine erste Begegnung mit Adolf Hitler als strahlender Lichtgestalt, von der er in Ehrfurcht gebannt still stand, während seine Mitschüler alle Sperren der Polizei überspringend zu ihm hin eilten, ihn berühren wollten. Der Zwiespalt des Ergriffenseins und nicht wissen von was, das Übermenschliche spürend, eine Erfahrung von Ewigkeit. Charisma, Engel der Dunkelheit ( Hans Jecklin) der flash back ineigene Aufstellungsarbeiten und darin die Berührung mit dem Numinosen. Was war diese Aura, was der Auftrag, was diese Begeisterung ,Vertrauen, Hingabe entzündende?

Und alle entgleisten Sterne finden mit ihrem tiefsten Fall immer zurück in das ewige Haus. Nelly Sachs

Wenig später die letzten Worte von Stauffenberg – Es lebe das heilige Deutschland – vor seiner Hinrichtung nach dem mißlungenen Attentat. Eine Dimension tat sich auf. Ein Mann des Widerstandes, der die Gefahr die von diesem Menschen ausging deutlich erkannt hat. Was meint er mit dem heiligen Deutschland?? Die Poesie, die andachtsvolle Verehrung der Natur, der Landschaft, der Stimmung des Mutterlandes spürbar – dann die Verrückung ins Vaterland der lodernde Wahn- beides uneins, Zwiespalt. Von wo aus dieses Heimatgefühl bejahen können, das Vertriebensein aushalten, das Grauen ertragen. Die erschütternde Schönheit der Landschaft und der ausgespannten Himmel rufen Erinnerungen wach an die Versammlungen in dieser Zeit an idyllischen Orten, mystische Erfahrungen hervorrufend, ein Anknüpfen an alten Symbolen und den dazugehörenden Welten. Daan van Kampenhout, ein Aufsteller hat in seiner Nachkriegsarbeit festgestellt das die germanische Götterwelt aufschlussreiche Bilder enthält, was die Verzückung, die Frömmigkeit, den daraus erwachsenden Gehorsam, ja Hörigkeit , erklärt. Baldur und Nanna, das arische Urpaar, das pervertiert zu Zuchtzwecken kopuliert, Thor der Blitzeschleuderer, der Donnergott, Wotan ,der für Krieg steht und zugleich mystischer Seher ist, Loki der Trickster. Feuer und Eis als Urkräfte der nordisch germanischen Kultur wiedergespiegelt in den brennenden KZs und dem Rußlandfeldzug. Die Sprache der Runen, die Swastika

Bei den Sternen steht was wir schwören, wer die Sterne lenkt der wird uns hören. Die Fahne halten wir im Sturm des großen Geistes über Todes walten hin zur Unsterblichkeit. Statt das uns einer die Krone klaut, fallen wir lieber Haupt an Haupt “ mit diesem Zitat Wielands war er im Raum der Soldat, der Held, der Sieger. Der Mann der auszog zur Verteidigung, zur Eroberung, der Uniformierte – was hätte ich getan als Mann, als Frau, als Kind. Ja es war lebensgefährlich sich gegen den Strom zu stellen. Der Terror vereinfacht, bist du nicht für die Sache bist du nicht lebenswert. Die permanente Angst vor sich, den anderen – Filmauschnitte fallen mir ein, hautnah der Verrat, die Zerspaltung des Menschenhirns – bombadiert von Worten, Aufmärschen zerbricht das Fühlen , ausgehöhlt von Hunger, Vergewaltigung,Flucht, Lagern. So fern und doch im Blut dem weitergegebenen Leben so nah.

Ein sicher wertvolles Unterfangen in einer Art Mysterienspiel die Besetzung mit realen Personen dieser Zeit zu inszenieren – wer repräsentiert wen? Tieferes Verstehen in Aussicht gestellt.

Etwas was mir deutlich fehlte in der ganzen Veranstaltung war die Einbindung des Körpers, des eigenen und des kollektiven. Auf der Tribüne sitzend, impulsiert, konfrontiert, inspiriert und dennoch außen vorgelassen.


Die Träne verschläft ihre Sehnsucht zu fließen, aber die Liebe ist alle Umwege zu Ende gegangenund ruht in ihrem Beginn

Oh solcher Tod. Wo alle helfenden Engel mit blutenden Schwingen zerrissen im Stacheldraht der Zeit hingen.

Denn von Gestalt zu Gestalt weint sich der Engel im Menschen tiefer ins Licht Nelly Sachs

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Unmerklich tauchen in zwischen den Wortgespinsten und Wortgeschwadern die Geflügelten auf. Der Jesusmord in unfassbarer Apokalypse. Hannah Arendt und die Frage der Unschuld – es gibt kein Verbrechen das den Tod in einer Gaskammer verdient. Das Gewissen, die Frage der Zugehörigkeit. Erinnert sich die kollektive Seele an die Verlorenen? Wie trennt sie sich von denen die gegen die Würde des gemeinsamen Menschseins verstossenhaben? Fern die Weisheit, nah die Engel. JedeR/m Tote/n zur Seite gestellt, Schutzengel, Todesengel, daimon und Dämon, Lichtgestalt und Nachtschrat – soviele zerrissene Lebensleiber, zerbrochene Seelen davongetragen von schwingenden Feldern in ein Bardo, ein Totenreich.Wir hier Nachkommen leben auf der Schwelle,  je nach Generation mit Erlösung betraut. Verbeugen können vor den Schicksalsmächten, vergeben können als Überlebende, vergessen können als Heilende, vertrauen können als Wachende. Auf die 900 Anwesenden kommen wieviel Tote pro Kopf? Wieviel Engel braucht ein Mensch um Atem schöpfen zu können?

Frau Holle fällt mir ein und die Hebammen, die Klageweiber, die Trauerriten. Hier ist es so nüchtern, kein Weh, kein Ach, kein Schmerz dringt durch das Gestöber der Vergangenheit. Abgeklärt

Der Brunnen,Quell der Weisheit,  ein Sophienmotiv, früher als ein heiliger, heilsamer Ort  verehrt an dem sich das Leben abspielt, der Grenzbereich zwischen  Erde und Unterwelt

Hüterin der  Tiefe des Brunnes ist Frau Holle. Jede  Frau hat das Potential zur Gold- und Pechmarie. Ist eingeladen, die mit, die ohne Mutter, sich  hineinfallen zu  lassen, trotz Herzensangst,  einen Reifungsprozess zu durchlaufen. Aufgaben zu erkennen zu lösen, eine Zeit der Abgeschiedenheit durchleben, nach innen zu gelangen. Eine Jenseitsreise antreten, mitten im Leben, dem Ursprung entgegen, Gefühlschaos im Unbewussten aushalten lernen, daraus mit Kreativität und Agape sich in  die Kultur des Diesseits tanzen. Dadurch die Gabe der Weissagung zu erlangen. Nach dem Glauben der Germanen besitzt jede Frau die Gabe der Prophetie –die frau,  frouwa ,Freyja kann im Namen der Göttin sprechen.

Jenseits dieser Bewusstseinsschwelle des kollektiven Unbewussten finden sich  Räume, die sich erschließen lassen, die Brunnenfahrt wird zum Wiedergeburtserlebnis – zum gebären des eigenen  Willens zu sehen, zu gestalten auf der oberirdischen Welt zu leben, vergoldet. Die Seele vollendet ihre Alchemie im Schmiedeprozess der Individualisierung. Ganz das Gegenteil der Vermassung durch das Flachland, die Materialisierung ohne Sinnlichkeit.

Göttin der Geburten

Holla, als Göttin der Geburten verehrt, zu ihr, der Wasserfrau kehren die Toten heim. Das Totenreich wird erst im 13 Jahrhundert zu einem Qualvollen Ort der hel. Vorher war er gebunden an das Vertrauen der Wiedergeburt der Verbundenheit der Ahnen/Innen  ein Zwischenreich, keine Endlösung. Mir fehlt diese Frau Holle, die Schnee  sachte rieseln lässt , ich wünsche mir das das Mama, Mutter  auf den eisigen Schlachtfelder als letztes Wort sie herbeigerufen hat

Wir leben mit dem Hades, der Unterwelt, in dem Pluto herrscht, ein Reich voller Schattenrisse, ein Nichts , ein Chaos. Den greisen Göttinen Erinyes, auch Furien, Maniai, die Rasenden genannt. Alekto – die Unaufhörliche, Tisiphobe – die Vergeltung, Megaira- neidischer Zorn. Töcher der Nys, der Nacht und der Dunkelheit, des Skotos. Thanatos der Tod – denke mal wieder an Ken in seinem Atman Buch- der Todestrieb. Die Lust am Töten, am schauen. Der Fluß  Styx, nicht der Brunnen herrschen hier. Wo ist er der Charon, der für seine Überfahrt Geld will? In dieser Hölle ist die Dunkelheit furchterregende Tiefe, ohne Rückkehr ohne Hoffnung.

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Ich erinnere mich an die tote Frau auf die ich gestern so unerwartet getroffen bin – Statt sie zu behandeln, mit ihr die Aufrechte, das Gehen zu üben stand ich da ausgebreitet in unserer gemeinsamen Lebenspanne um Abschied zu nehmen. Die ungeheuere Energie die sich im Raum kondensierte, der erkaltende Leib mit dem geglätteten Gesicht, wächsern und geschlossen die Lider. Das nach innen gewendete – des Schlafes Bruder.  All die Wesen denen niemand die Augen schloss, die starren in die Unmenschlichkeit, wieviele Bilder bevölkern die Leinwand der Gemordeteten. Wer vollendet ihr Sehen?
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Engel der Bittenden – auf des Todes weißem Boden, der nichts mehr trägt, wächst der inVerzweiflung gepflanzte Wald. Wald aus Armen mit der Hände Gezweig, eingekrallt in die Feste der Nacht, in den Sternenmantel. Oder den Tod pflügend , ihn, der das Leben bewahrt.

Der Lebensbaum – die Kabbalah – mit den zwei Säulen des männlich und weiblichen, die Sephiroth, die verdichtete Symbolik versinnbildlichen eine Weisheit die einzubringen lichtend sein könnte.

Wie lässt sich diese komplexe Struktur für uns zugänglich machen, welch Ressourcen bietet sie, welche verborgenen Geheimnisse helfen uns den Weg des Werdens zu entschlüsseln?

Engel auf den Urgefilden wieviel Martermeilen muß die Sehnsucht zurück zu eurem Segensraum durcheilen.

Sarah – dir Urmutter, das Weltenfeuer, al lath, ruhen im Meer der Zeit – abtauchen. In den Armen einer alten Frau zurück in die Unschuld des Kindes, eines Christkindes. Dank an Daan van Kampenhout für das Teilen seiner Einsichten im Buch Die Tränen der Ahnen – Opfer und Täter in der kollektiven Seele.

wenn du deine Tränenquellen zuschüttest,werden deine Gefühle verdursten.

Dank an Jorgo Canacakis für das Buch – Ich sehe deine Tränen

Hiob wo du stehst ist der Nabel der Schmerzen, deine Stimme ist stumm geworden , denn sie hat zuviel Warum gefragt.

Die Orte des Sterbens sind in meinem Schlaf erwacht

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Wenn die Propheten hereinbrächen durch Türen der Nacht, den Tierkreis der Dämonengötter wie einen schauerlichen Blumenkranz ums Haupt gewunden – die Geheimnisse der stürzenden und sich hebenden Himel mit den Schultern wiegend , mit ihren Worten Wunden reißend in die Felder der Gewohnheit ein weit entlegenes hereinholend Wenn die Propheten aufständen in der Nacht der Menschheit wie Liebende, die das Herz des Geliebten suchen, Nacht der Menschheit würdest du ein Herz zu vergeben haben?

Die Verbindung mit den Menschen in Israel war wesentlich. Du brauchst 5 Menschen um die Welt zu verändern, wir waren schon eine Art Hochpotenz. Von dort sprach eine Stimme, Efrat sa – Shalom, geistesverwandt und traute sich in den Garten der Geisteskräfte zurück. Zwischen all der Zerstörung auf die Blüten hinzuweisen, die es im Gedankengut der Deutschen gibt. Sie erinnerte an Literatur, Musik, Philosophie und den Wert den Bildung – Geistes und Herzensbildung  in der Tradition der Juden hat. In Erinnerung an ihre Familie, deren Namen mitzuteilen so wichtig war, schwang die tiefe Verbundenheit mit, das Verflochtensein in Wohl und Weh. Untrennbar und darin so schmerzhaft. Ist Heilung nicht auch einen heiligen Ort im Inneren bewahren wo das Gute keimen kann, wo es bewahrt ist vor der Verzehrung durch die Angst der Seele? Von dort aus zu sprechen heißt in der Asche zu stehen. Das Gebet von Schlom war eine Geste der Einladung in eine Tiefe, die dem Land des lebendigen Wassers angehört. Endlich waren sie da die Tränen.

Die Träne – sie hat vier Geschwister- Die Trauer , den Verlust, den Schmerz, die Wut. Wenn du das Fließen nach innen richtest wird Dein Herz belastet werden. Tränen gehören nach außen, nicht ins Herz. Sein chant, sein Lied, das hebräische bringt das menschliche zurück. Vor dem trennenden Wort war der verbindende Klang.

Dorothee Sölle

Gib mir die Gabe der Tränen Gott gib mir die Gabe der Sprache – führ mich aus dem Lügenhaus wasch meine Erziehung ab befreie mich von meiner Mutter Tochter nimm meinen Schutzwall ein schleif meine intelligente Burg gib mir die Gabe der Tränen Gott gib mir die Gabe der Sprache reinige mich vom verschweigen gib mir die Wörter den neben mir zu erreichen wie kann ich reden wenn ich vergessen habe wie man weint? mach mich naß versteck mich nicht mehr zerschlage meinen Hochmut mach mich einfach lass mich Wasser sein das man trinken kann wie kann ich reden wenn meine Tränen nur für mich sind nimm mir das private Eigentum und den Wunsch danach gib und ich lerne geben gib mir die Gabe der Tränen Gott gib mir die Gabe der Sprache gib mir das Wasser des Lebens

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Durch die schwarzen Falten der Nacht blicken sie hindurch.Und das Geheimnis flüstert hinter diesem Spalt , wirf es ins Feuer  Licht wird nicht verwaisen und Asche schläft sich neu zu Sterngestalt. Nelly Sachs

sophia-healingZahlen – als eure Formen zu Asche versanken in die Nachtmeere, wo Ewigkeit der Gezeiten Leben und Tod spült – erhoben sich Zahlen, erhoben sich Meteore aus Zahlen gerufen in die Räume darin Lichterjahre wie Pfeile sich strecken und die Planeten aus den magischen Stoffe des Schmerzes geboren. Zahlen – mit ihren Wurzeln aus Mördergehirnen gezogen und schon eingerechnet in des himmlischen Kreislaufs blaugeäderter Bahn.

Der Verlassene aber, wirft seine Sehnsucht in die Leere – Samen für eine neue Welt

Wir Mütter wiegen in das Herz der Welt die Friedensmelodie

Neugeborene werden aus Brunnen geschöpft

Am zweiten Tag der Integration in einem Dialog mit Barbara waren sie dann da all die Kinder, all die mutigen Seelen, all die Unschuldigen. Das innerste im Herzen Gottes – wie es in der Mystik von Marguerite Porete und Meister Eckhart beschrieben ist.

Was für eine Mystik entsteht aus verbrannter Erde, veraschter Menschen? Mir kommen die Sterbephasen in den Sinn – Dank an Rosina Sonnenschmidt für das Buch – Exkarnation der große Wandel. Verknüpft mit dem Bardo Thödol, dem Buch vom Sterben, Einsichten von Rudolph Steiner zum Sterben und wie wir als Miterlebende, Weiterlebende diesen Prozess begleiten können.

Begreifen wir das Diesseitige vom Jenseitigen aus.

Die Ähnlichkeit der subtilen Wahrnehmungen in den Wandlungsphasen weist erstaunliche Parallelen zu Meditationpraktiken auf. Das Feuer spielt die zentrale Rolle in der dritten Wandlungsphase. Das Wasser geht in das Feuer ein, Energiekörper und  physischer Körper halten sich die Waage.  Zu erleben als Pulsation, als wehende Wellen, ein letztes Aufblühen, das sogenannte Lazarusphänomen. Ein Freisetzen dieser Energie hat bei einigen so wohl auch bei Eva Mozes Kor sich als radikaler Überlebenswille freigesetzt. Physisch werden die Reserven verbrannt vor der nächsten Phase der Auflösung zur Veraschung. Wahnsinnigerweise ist die Phase begleitet im normalen Prozess mit einem Verweigern von Nahrung, die Depots werden nicht mehr aufgefüllt, der Körper verwertet die letzten Fett und Eiweissdepots, totale Ersschöpfung. In den KZ wurde die Phase simuliert, arbeitstechnisch ausgebeutet. Paradoxerweise werden dadurch oft erstaunliche Kräfte mobilisiert. Im natürlichen Sterben kommt es zu Aufbäumen, Konvulsionen und Schreien – was sicher auch zum Lageralltag gehört hat.  Die Augen verändern sich – auffallend glänzend, wirken wie wenn sie in eine andere Dimension schauen. Wer trägt nicht in sich die Bilder von den ausgemergelten Gestalten hinter den Zäunen mit den tiefen, stillen Blicken. Hellsichtige Phänomene dieser Phase sind Engel sehen, körperlose Wesen, Geister, Personen, Visionen. Bemerkenswert , wenn an die religiösen Zeugnisse gedacht wird wie die von Bonhoeffer. In ihrer Arbeit hat Rosina Sonnenschmidt entdeckt das Holzasche als homöopathisches Mittel hilft den aussichtlsoes Kampf gegen etwas Unsichtbares, Unfassbares aufzugeben. Als Baumessenz empfiehlt sie die Erle, die zur unterirdischen Mutter gehört, die über die neun Räume der Welt herrscht.  Auch sie ,wenn der Brunnen, Frau Holle, ein Grenzbaum zwischen Diesseits und Jenseits. Die Erle führt hin zur zeitlosen Erinnerung , zur Ebene der parapsychologischen Erscheinungen. Passt für den dem alles sinnlos geworden ist, der jede Mühe für vergeblich hält. Die Einbildungskraft wird sehr stark – auch hier das seherische Element, hier ausgerichtet auf Erlösung, ein sich erinnern an die Lichtebene von der Mensch herabgestiegen ist. Violettes Licht strahlt aus.

In der nächsten Wandlungsphase geht Feuer in die Luft ein. Nun beginnt die Umstülpung, die Farbe grün – viridatis, die Farbe Hildegards von Bingen,  führt. Wahrnehmbar ist eine gesteigerte Ausdehnung des Energiefeldes, eine vibrierende Energie des elektromagnetischen Feldes. Der Körper schrumpft, die Meridianenergie versickert, allmählich verlöscht das Lebenslicht.  Ein Verebben des inneren Atems.  Ist es nicht erschüternd das über die Atmung, das Gas, das innere Feuer gelöscht wurde? Farbige Wolkenschleier tauchen auf.Wer kennt dieses Phänomen aus der Mediation, aus der  tiefen Ekstase im Lieben? Im Sterben tauchen schöne Klänge auf, Klangschalen, geistliche Gesänge, Glockengeläut, Mantren. Es ist möglich in weit entfernte Räume zu sehen, in tranceartige Zustände zu kommen. Ein dunkles ,leuchtendes Gesicht erscheint, Augen von heiligen Wesen, von Geistführen. Die Zeit dehnt sich, wird Ewigkeit, das Freisein im leeren Raum erlebbar.

In der letzten Phase geht die Luft in Äther ein, die Implosion der Elemente in der Quintessenz, aus der sie stammen, im Prana, im Qi , der Lebensenergie, die alle Elemente durchdringt.  Wenn wundert das hier wieder Holla auftaucht, die Holunderessenz, die Himmel und Erde zusammenbringt, Seele und Körper. Eins sein mit dem Kosmos, den Zustand der Selbstvergessenheit, die innere Stimme unserer Seele spricht. Die jenseitige Welt ist nicht außerhalb der unserigen, sie ist mitten unter uns, nur auf einer höheren Schwingungsebene.

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Immer dort wo Kinder sterben werden Stein und Stern und soviele Träume heimatlos (Nelly Sachs)

Das Bild einer Plazenta taucht auf, die Verpuppten, die am Strom des lebendigen Blutes der Menschheit angebunden sind, deren Seelenhäute sich schützend um das werdende Anglitz legen und die, die dem heiligen Tod gehören. In einem Erdmöbel – einem Sarg- zusammengewürfelt. Ohne Seele ist der Körper leblos. Klimts Bild kommt mir in den Sinn. Der Tod, selbstversunken links und rechts der Turm der ineinander verwobenen Frauen, des Mannes, die im Lebenstraum eingesponnen sind, schön, selbstversunken, träumend. Werden wir wirklich wach ohne das Bewusstsein unserer  Endlichkeit?

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Wie im Mutterleibe das Ungeborene mit dem Urlicht auf dem Haupte randlos sieht von Stern zu Stern so fließt Ende zum Anfang wie ein Schwanenschrei nelly sachs

Das Gefühl als ob in mir eine Ermordete wäre, eine vor meiner Geburt ermordete Sally Becket

Wir als Erben, Erbinnen jedes Toten in der Menschheit leben auf, wenn wir das Traumreich als unsere gemeinsame Heimatstatt sehen können. In unserem rastlosen Beschäftigtsein im irdischen  ist es wesentlich auszuspannen, sich auszudehnen in jene subtilen Räume schwingender Erinnerungen, die zeitlose Essenz sind. Die hier und dort in Wort, Bild, Gesang aufkeimt.

oh du weinendes Herz der Welt, zweispältiges Samenkorn aus Leben und Tod. von dir wollte Gott gefunden werden. Keimblatt der Liebe.

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Oh du – aus dessen ahnemdem Blut sich das Schmetterlingswort Seele entpuppte, der auffliegende Wegweiser ins Ungesichterte hin  Nelly Sachs

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Schmetterling ! Welch schönes Jenseits ist in deinen Staub gemalt, durch den Flammenkern der Erde, durch ihre steinerne Schale wurdest du gereicht, Abschiedswebe in der Vergänglichkeiten Maß. Schmetterling aller Wesen gute Nacht. Die Gewichte von Leben und Tod senken sich mit deinen Flügeln auf die Rose nieder, die mit dem heimwärts reifenden Licht welkt. Welch schönes Jenseits ist in deinen Staub gemalt. Welch Königszeichen im Geheimnis der Luft.

Nicht Kampflieder will ich euch singen, Geliebte nur das Blut stillen und die Tränen , die in Totenkammern gefrorenen auftauen. Und die verlorenen Erinnerungen suchen die durch die Erde weissagend duften und auf dem Stein schlafen darin die Beete der Träume wurzeln und die Heimwehleiter die den Tod übersteigt.
Dann war er da auf diesem ruhenden Wesen, das nach vor und hinter sich schauen kann, in sich Leben schöpft im Atem der Zeit. Diese bewusste Sterben durch die Fontanelle, der Stacheldraht des Schweigens der einer Rose der Erkenntnis und Liebe zum Halt wird.

Kraft der Vergebung –  Eva Mozes Kor – die mitten in der Freiheit, der Wahl steht und Individualität verkörpernd auf eine andere Art der Verbundenheit hinweist, die des freien Willens zur Mitmenschlichkeit, den inneren Raum läutern, freigeben für die Zukunft.

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Wunderbar war der Abend mit Assaf Amdeesky und der Fülle an Leidenschaft, Wehmut, Hoffnung, groove und Lebenslust. Musik die zu Herzen geht, gebettet in eine Sprache, das hebräische was so tief im Kehlraum klingt.

Danke an all die die mit ihrem Wachsein, Lieben, ihrer Güte, ihrer Sehnsucht nach Menschlichkeit mit dabei waren.

Nach meinem Besuch im jüdischen Museum auf der Rückreise war ich beglückt in Hannah Arendt und Nelly Sachs Antworten, Erkenntnisse und wahrendes zu entdecken.

Hannah Arendt

Zur Schuldfrage  Ich habe noch folgendes auf dem Herzen. Mir ist ihre Definierung der Nazi Politik als Verbrechen ( kriminelle Schuld) fraglich. Diese Verbrechen lassen sich, scheint mir, juristischen nicht mehr fassen , und das macht gerade ihre Ungeheuerlichkeit aus. Für diese Verbrechen gibt es keine angemessene Strafe mehr. Göring zu hängen ist zwar notwendig, aber völlig in adäquat. Das heißt , diese Schuld im Gegenstz zu aller krimnellen Schuld, übersteigt und zerbricht alle Rechtsordnungen.  Ebenso unmenschlich wie diese Schuld ist die Unschuld der Opfer.   So unschuldig wie alle  miteinander vor dem Gasofen waren, weil kein Verbrechen eine solche Strafe verdient. Mit einer Schuld, die jenseits des Verbrechens steht und einer Unschuld, die jenseits der Güte oder der Tugend ligt, kann man menschlich – politisch überhaupt nichts anfangen.  Dies ist der Abgrund, der sich vor uns schon 1933 öffnete, eigentlich schon früher mit dem Beginn der imperialistsichen Politik.

Totalitarismus Mob und Elite

Die Elite, die aus guten Gründen sich von der Gesellschaft lossagte, bevor der Zusammenbruch des Klassensystems die Massenindividuen erzeugte und der Mob, dies frühe Abfallprodukt der Herrschaft der Bourgeoisie, die zu ihr gehörende Unterwelt, standen beide lange genug außerhalb der Gesellschaft, um die Massen verstehen und organisieren zu können.

Die anarchische Verzweiflung , die sich in diesem Zusammenbruch der Massen des Volkes bemächtiget, schien der revolutionären Stimmung der Elite ebenso entgegenzukommen, wie den verbrecherischen Instinkten des Mobs.

Für diese Generation wurder der erste Weltkrieg zu dem großen Vorspiel des Zusammenbruchs der Klassen und ihre Umwandlung in Massen (  die Erfahrung absoluter Zerstörung bringt Demütigung , nichts zu sein als ein kleines Rad in der gewaltigen Maschine des Massenmordes)

Die spezifische Selbstlosigkeit des Massenmenschens erschien hier als eine Sucht nach Anonymität, nach reinem Funktionieren, nach Aufgehen in einem sogenannten größeren Ganzen – mit andern Worten für jegliche Verwandlung, die dazu verhelfen könne, die eigenen , unechte Identität mit bestimmten Rollen und vorgeschriebenen Funktionen in der Gesellschaft auszulöschen. Der Krieg war als die mächtigste aller Massenreaktionen erfahren worden, in der alle persönlichen Unterschiede verschwanden  so daß nun selbst das Leidens , das herkömlicherweise Menschen durch einzigartige ,unvertauschbare Schicksale voneinander unterschieden hatte, als Massenleiden das Mittel des geschichtlichen Fortschritts werden konnte. Eine Schicksalsgemeinschaft – Propaganda

Der Versuche der totalen Herrschaft , in den Laboratorien der Konzentrationslager das Überflüssigwerden von Menschen herauszuexperimentieren , entspricht aufs genaueste den Erfahrungen moderner Massen von ihrer eigenen Überflüssigkeit in einer übervölkerten Welt und der Sinnlosigkeit dieser Welt selbst.  Die Gesellschaft der Konzentrationäre, in der täglich und stündlich gelehrt wird, das  Strafe keinen Sinnzusammenhang mit einem Vergehen zu haben, das Ausbeutung niemand Profit zu bringen und daß Arbeit kein Ergebnis zu zeitigen braucht, ist ein Ort, wo jede Handlung und jede menschliche Regung prinzipiell sinnlos sind, wo mit andern Worten  Sinnlosigkeit direkt erzeugt wird.

Über der Sinnlosigkeit thront der Suprasinn der Ideologie, die behauptet den Schlüssel zur Geschichte oder die Lösung aller Rätsel gefunden zu haben.